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Jazz Chocks

Eine Grunderfahrung der Generation der 1920er-Jahre ist das – von den Ästhetizisten des 19. Jahrhunderts – erspürte, nicht selten ersehnte – grauenhafte Erleben von Chocks, als kriegerische, mediale, alltägliche und essentiell moderne Erfahrung (vgl. Benjamin, Über einige Motive bei Baudelaire“, Suhrkamp 10. Aufl., Frankfurt a. M. 2013). Wesentlich am Chock ist seine Plötzlichkeit (vgl. Borer): Edgar Allen Poes „Mann in der Menge“ (poe) und die aufblitzenden „Raubtierblicke(n)“ der Huren bei Baudelaire und Rilke abzeichnet. Der Chock ist das Hasardeurspiel „(…) ungeregelter Existenzen, die in den Souterrains … zuhause sind“ (Baudelaire). Im Rausch des Wettens und des Spiels liegt der Reiz des Immer-Wieder-Von-Vorne-Anfangens. „Ich lebe“, so das Credo, „lebe hundert Leben in einem einzigen“. Die Schockerfahrung  umfasst (i. F. Zitate aus diversen Zusammenhängen) Giftgasattacke und Phosphorgranate, die Reizüberflutung der Städte, den Inseratenteil der Zeitung, Verkehrslärm, die Arbeit an der Maschine…Sein typischer Charaktere ist der Spieler und der Hasardeur, der allen Ereignissen Schockcharakter verleiht, sie aus Erfahrungszusammenhängen löst,  so wie das Klicken des Fotoapparates dem „(..)Augenblick sozusagen einen posthumen Chock“ (W.B. 126) erteilt. Zum Chok gehören das „jähe Erwachen“, das Momentane, Unvermittelte, das Plötzliche, das Wahrnehmen eines unergründlichen Geräusches im Vorzimmer, Masken, Hoffmanns Marionetten, die Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen des Angstneurotikers.

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